sprichwörtlich…

Lieber ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach – wirklich?
Sprichwörter enthalten oft uralte, bewährte Weisheiten. Der Spruch mit dem Spatz und der Taube hatte schon Geltung, als unsere Vorfahren noch mit dem Speer durch die Savanne trabten: Lieber erst auf den kleinen, alten Hirsch losgehen als auf den großen, schnellen – denn mit dem kleinen im Bauch lässt sich’s erst einmal bis morgen überleben. Wenn aber die Jagd auf den großen misslingt, reicht nachher die Kraft vielleicht nicht einmal mehr für eine Maus.
Was das mit Computern zu tun hat? Nehmen Sie an, Sie sitzen im Hotel irgendwo unterwegs und müssen eine wichtige Präsentation ins Unternehmen schicken. Irgendwie verträgt sich die Firewall Ihres PCs aber nicht mit dem Hotelnetz. Sie wissen: Wenn Sie sie abschalten, bekommen Sie Internetkontakt. Dann können Sie die Präsentation abschicken, handeln sich aber vielleicht einen Trojaner ein, der lange Ärger bereiten wird und Sicherheitslücken aufreißt.
Wägen Sie jetzt wirklich kühl ab, ob die Präsentation das Risiko wert ist? Nicht ganz. Der Spatz/Taube-Teufel in Ihnen, hier nicht ganz auf seinem Terrain, mischt sich garantiert ein. Er drängt Sie geradezu dazu, erst einmal das Sendeproblem zu lösen. Nachher die Sintflut, alles wird schon gut gehen – "um die möglichen Trojaner kümmere ich halt mich morgen". Genau das ist die Taube oder der kleine Hirsch – Sie wollen einfach weiterkommen, das aktuelle Problem lösen, allzu konkreten Ärger vermeiden.
Also schalten Sie die Firewall ab, mitunter selbst dann, wenn im heimischen Büro ohnehin schon alle im Feierabend sind. Manchmal wird diese "heuristische" Entscheidung sogar richtig sein, aber eben nicht immer. Sie sollten deshalb wissen, dass Ihnen in derartigen Situationen eine fest verdrahtete Entscheidungshilfe im Gehirn beispringt, die unangenehmerweise nicht auf moderne Gefahren geeicht ist, sondern sich über Jahrtausende hinweg entwickelt hat. Die paar Jahre IT, die gerade vergangen sind, konnten sich im menschlichen Grundverhalten noch längst nicht auswirken. Atmen Sie also immer noch einmal tief durch und lassen Sie auch das Großhirn ran. Es muss nicht recht haben, aber eine echte Risikoabwägung kann nicht schaden.

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